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Tips zur Flötenpflege (ohne Gewähr)


Auf einer ungepflegten Flöte kann man natürlich genauso gut spielen wie auf einer frisch geputzten. Wenn man weiß, wie’s geht, ist Flöteputzen aber wirklich nicht schwieriger als Geschirr zu spülen.

Reinigung und Aufbewahrung
Nach jedem Spielen sollte man die Flöte innen mit einem fusselfreien Tuch (z.B. Baumwolltaschentuch) auswischen, dazu verwendet man am besten den Flötenwischstab. Außen hin und wieder mal abwischen (nicht immer mit Silbertuch und bitte nicht mit dem nassen Lappen von innen).

Danach kommt die Flöte in den Kasten, weit weg von Heizung und Haustieren, vielleicht im Wohnzimmerschrank.
Man kann die Flöte offen (z.B. im geöffneten Kasten oder auf dem Flötenständer) stehen lassen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass sie dann viel schneller anläuft und verstaubt.
Salzpäckchen gehören nicht in den Kasten, sie beschleunigen das Anlaufen.

Die Patina, der braune Belag an versilberten (Neusilber-) Flöten, ist an sich nicht gefährlich. An den Stellen, wo die Flöte angefasst wird, ist die Patina sowieso abgegriffen.
Unter dem Staub und der Patina kann sich allerdings Korrosion in Form von Fliegenschissen oder kleinen Bläschen bilden.
Das ist auch nicht weiter tragisch, geht aber nie mehr ganz weg (und kann sich nach längerer Zeit durch den Korpus fressen). Schadensbilder: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5, Bild 6
Eine Neue Versilberung lohnt sich in den meisten Fällen nicht.

Silberputztuch poliert die Patina sehr fein weg. Man sollte es aber nicht allzu häufig verwenden, sonst geht mit der Zeit die Versilberung ab. Zu beachten ist auch, dass man weder die Polster noch die Filze berührt, beide werden schwarz davon, Polster können reißen und die Filze/ Korken können abfallen. Also höchstens einmal im Monat den Kopf und die glatten Flächen des Korpus etwas abreiben. Beispiele: Korpus vorher  nachher

Wenn das Poliertuch Kratzer hinterlässt, liegt das manchmal, daran, dass es schon zuviel Abrieb aufgenommen hat oder sonstwie schmutzig geworden ist.

Lackpflegemittel für lackierte Saxophone oder Trompeten oder flüssige Silberpflegemittel sollte man an der zusammengebauten Flöte nicht verwenden, sie verschmutzen höchstens Polster und Mechanik.

Staub ist von Übel, da er Feuchtigkeit anzieht und eben den unappetitlichen Schmodder bildet. Sogar gepflegte Flöten sehen unter der Mechanik meistens ziemlich schlimm aus. Beispiel

Den Staub unter der Mechanik sollte man hin und wieder mit einem Pfeifenputzer entfernen (oder mit einem Zahnstocher, der mit einem ein sauberen Taschentuch umwickelt ist) Danach kräftig durchpusten. Keine Papiertaschentücher oder Ohrenstäbchen verwenden; die fusseln.

Mechanik ölen
Öl ist wichtig, damit die Mechanik nicht klappert und nicht vorzeitig verschleißt. Das Öl darf auf keinen Fall mit den Polstern in Berührung kommen.

Nicht oft ölen, ein- oder zweimal im Jahr reicht völlig. Säure- und harzfreies Öl (kein Nähmaschinenöl und kein Kriechöl „MoS“) verwenden. Gut ist das Öl von La Tromba oder der Ölstift von Kreul, der allerdings teuer ist und kleckert. Ich nehme mit einem kleinen Feinmechanikerschraubenzieher (Zahnstocher geht auch) ein winziges Tröpfchen auf und tupfe es an jede Kontaktstelle: Beispiel 1, Beispiel 2, Detail Fuß, Detail Mechanik
Überschüssiges Öl sollte weggeputzt werden, der Rest zieht ein.

Noch ein Tipp:
Wer draußen spielt (bei Umzügen, im Regen usw.), sollte die Mechanik vorher ölen, das hält die Feuchtigkeit ab.

Polster
Klappenpolster kleben durch Adhäsion immer ein wenig an den Tonlochrändern.  Durch Ablagerungen können sie zu schmatzen anfangen. Durch die Atemluft wird alles Mögliche transportiert; vom Eierlikörodem,
Hustenbonbons und Zigarettenrauch. Das kondensiert dann an der Flöte und an den Polstern.
Auch deswegen sollte die Flöte hin und wieder aus- und abgewischt werden, ebenso die Polster und Tonlochränder.
Ich mache das aber nie mit Zigarettenpapier; warum auch: Zigarettenpapier reißt und fusselt bei Feuchtigkeit, die Fusseln und Fetzchen hängen dann irgendwo in der Mechanik.
Zigarettenpapierstreifen sind gut bei trockenen Polstern, um die gleichmäßige Deckung zu kontrollieren.
Von Puder und Kreide halte ich nicht viel, weil sie an den Teilen haften und aufs Neue Feuchtigkeit anziehen. Von Schleifpapier auch nicht, damit zerkratzt man die hochglanzpolierten Tonlochränder.

Um das Schmatzen der Polster zu mindern -wenn diese sonst noch in Ordnung sind- kann man so vorgehen:

Einen ca. 20 mm breiten Streifen normales Schreibpapier unter dem Polster durchziehen, während man die Klappe gedrückt hält.

Wenn das nichts bringt, kann man ein leicht feuchtes, sauberes Taschentuch oder einen Leinenstreifen unter das Polster legen, gaaanz, ganz leicht zudrücken, bisschen warten und dann das Tuch leicht hin- und herziehen. Wenn man destillierten Wasser zum Anfeuchten benutzt, gibt es keine Wasserflecken. Oder aber Alkohol (sic!). Wie gesagt feucht, nicht klatschnass.
Damit verschwindet das Schmatzen fast immer, und auch die graugrünen Ringe in den Polstern gehen zurück.

Die Polster bestehen außen aus zwei Lagen Fischhaut (Schwimmblase vom Kabeljau). Diese Fischhaut verträgt Feuchtigkeit, reißt aber sehr leicht auf, besonders, wenn sie schon beschädigt ist. Also vorsichtig! Die drei kleinsten Polster sind mit Siegellack eingeklebt. Der löst sich bei zu viel Alkohol auf.

So behandelt, und wenn Mechanik und Polster in Ordnung sind, hat man lange Zeit Freude mit dem Instrument (so drückt sich meine eigene Flöte seit über 20 Jahren vor einer Generalüberholung).

Beim jährlichen "Nachsehen" in der Werkstatt wird aber nicht nur die Flöte geputzt und geölt, sondern die Mechanik wird, wo nötig, neu eingestellt, undichte Polster ausgetauscht und abgefallene oder lose Filze werden erneuert. Das sind oft Dinge, die sich unmerklich verschlechtern, und an die man sich als Spieler gewöhnt, die man durch mehr Kraft und verkrampfte Haltung kompensiert.

Vor allem deswegen lohnt es, die Flöte hin und wieder durchsehen zu lassen, auch ohne Putzen.

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